Blumentorte

Just another WordPress.com site

Irgendwann heißt Niemals

Also auf ein Neues. Wie jedes Jahr gilt es zu bedenken, ob man ein hässliches Buch endlich hinter sich schließt oder ob man dem Zug der Zeit wehmütig hinterherwinkt. In meinem Buch 2016 sind Fotos von Krisen, Schmerzen und Krankheit, von Chancen und Mut, von irgendwo verlorenen Weggefährten, die an einer Station ausgestiegen sind und meine Lebensreise nicht mehr begleiten, es gab Reisen nach Venedig, Nürnberg, Eichstätt, Innsbruck, Schwäbisch Hall, Murnau und Hall, nach Irland,  an den Chiemsee und nach Wasserburg am Inn. Die Reisen retten mich. Das sind die kleinen Inseln, die Farbe und Aufatmen bringen, den Blick über die Suppenschüssel des eigenen Lebens. Manchmal dem Alltag abgetrotzt. Irgendwann heißt niemals.

Vieles andere verweht mit der Zeit. Neu gelernt, dass einfach weiteratmen und weitergehen möglich ist, auch wenn man glaubt, es zerreißt einen jeden Tag auf`s Neue. Einfach weitermachen, die Zeit durchschreiten, aufrecht. Wunden heilen so nicht, aber sie werden ein akzeptierter Teil des eigenen Daseins und verblassen wie Tattoos auch. Aber täglich die eigene Kraft messen wie den Puls. Immer wieder. Der Zufall bringt dann Impulse. Wofür lebst Du. Wem dienst Du. Was gibst Du der Welt. Was schenkst Du Dir für ein Leben. Was bezahlst Du für Deine schubladierten Träume. Bilder von Flüchtlingen in Booten. Bewunderung für ihren Mut, sich auf den Weg zu machen. Und Du? Irgendwann heißt niemals.

Noch nie so viele Ratgeber Bücher gelesen wie dieses Jahr, Entwicklung und Einsichten also gierig absorbiert, Saaten, die 2017 aufgehen dürfen. Überhaupt: Machen. Menschen treffen, Pläne schmieden, nicht warten, nicht jammern: machen. So ist Tolles entstanden, quasi aus dem Nichts. Wie vor 5 Jahren dieser Blog. Einfach gemacht. Dank hier an alle Mitreisenden!!!

Irgendwann heißt niemals. Aber morgen ist ein neuer Tag zu leben. Euch allen einen guten neuen Tag, jeden Tag. Herzliche Grüße, die Blumentorte

loveisintheair

All I want for Xmas is food

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Weihnachtszeit gab es so vieles, das wichtiger war als der Blog, daher gab es nicht viele Eigenbeiträge hier, sondern einkopierte Texte und Clips, damit die Blumentorte überhaupt noch appetitlich bleibt. Auch für die Feiertage gibt es hier keine nahrhafte Kost, aber ein gesanglich und künstlerisch interessantes Törtchen aus Deutschland vor einem deutschen Baum in einem ordentlichen Bildungsbürgerwohnzimmer aufgenommen. Ich mag das. Es ist alles so fein säuberlich wie Weihnachten sein darf. Einmal im Jahr alles richtig machen, friedlich sein, nicht mit dem Baum streiten und der Schwester nicht sagen, dass ihre Kinder so seltsam werden wie sie war, nur anders schräg, dazu viel Rotwein, denn der spült die bösen Worte runter und ein Vanillekipferl, das beruhigt. Falls man ein Ventil braucht, sollte man möglichst unhysterisch ein Weihnachtslied singen, dann schafft man das alles. Würdevoll muss nicht sein, harmonisch reicht. Hauptsache ihr könnt „relaten“, wie auch immer. Hier also mein Weihnachtstipp-Clip für Euch und eine gesegnete Heilige Nacht. Möget ihr Glück und inneren Frieden denen bringen, die die Euren sind. Fröhliche Weihnachten!

P.S. Die Mittelfrau hat leider einen bitteren Zug um die Mundwinkel, wenn sie uns nach dem Video „Merry Christmas“ wünscht. Nehmt es nicht persönlich, singt noch mehr und esst mehr Kipferl-Eis!

P.S. Womit bimmelt das linke Mädchen? Ich habe es nicht rausgefunden…. sachdienliche Hinweise erbeten!

 

 

 

 

Nur wenn sie daenzt

SojetzisshierabersowasvonSchluss mit den Adventsglöckchen. Alle, die die Faxen bereits so dicke haben wie ich, werden sich über diesen kurzen Kontrast freuen. Bin kein Laith al deen Fan und das Video ist fragwürdig, sexistisch, albern und vielleicht nach 17 Bieren einigermaßen erträglich. Die Live Versionen waren aber so mies, dass ich hier in der Not halt das hinklebe.  Ich finde den Song allerdings gerade so erfrischend, dass ich mir wünschen würde, es gäbe eine feine unplugged Version. Zu Weihnachten natürlich. 🙂 Man kann ja nicht jedes Jahr Danzig oder Skunk Anansie hören, wenn die Ohren Diabetes bekommen. Trinkt einfach 17 Biere. Prost und Viel Spaß!

Hesse zum 4.en Advent

Sie sollten nicht fragen: „Ist meine Art und Einstellung dem Leben gegenüber die richtige?“ – denn darauf gibt es keine Antwort: jede Art ist ebenso richtig wie jede andre Art, jede ist ein Stück Leben. Sie sollten vielmehr fragen: „Da ich nun einmal so bin wie ich bin, da ich diese Bedürfnisse und Probleme in mir habe, die so vielen andern scheinbar ganz erspart bleiben – was muss ich tun, um dennoch das Leben zu ertragen und womöglich etwas Schönes aus ihm zu machen?“ Und die Antwort darauf wird, wenn Sie wirklich auf die innerste Stimme hören, etwa so sein: „Da du nun einmal so bist, solltest du andre wegen ihres Andersseins weder beneiden noch verachten, und sollst nicht nach der ‚Richtigkeit‘ deines Wesens fragen, sondern sollst deine Seele und ihre Bedürfnisse ebenso hinnehmen wie deinen Körper, deinen Namen, deine Herkunft, etc.: als etwas Gegebenes, Unentrinnbares, wozu man Ja sagen und wofür man einstehen mussp1740602, und wenn auch die ganze Welt dagegen wäre.“ Mehr weiß ich nicht. Ich kenne keine Weisheit, die mir das Leben erleichtern würde. Das Leben ist nicht leicht, nie, aber danach, ob es leicht sei oder nicht, haben wir gar nicht zu fragen. Wir müssen entweder am Leben verzweifeln, das steht jedem frei, oder wir müssen es ebenso machen wie die scheinbar Gesunden und Tüchtigen, die scheinbar Problem- und Seelenlosen: wir müssen versuchen, unsere Natur als das einzig Richtige zu nehmen, unsrer Seele alle Rechte zuzugestehen.

1. Advent – Geheimnisse

The Secret – can you keep it?

 

 

Treueherzen sammeln

Von meinem Dach stürzen sich jeden Morgen Rabenschreie in den Abgrund. Über mir ist ihre Absprungkante. Ich sitze am Schreibtisch mit dem Ticken der Uhr im Genick und sehe ihnen dabei zu. Fühlt sich der Rabe wie der Mensch bei Arschbombe vom Beckenrand, glaube ich. Gestern fragte mich die Kassiererin im Supermarkt, ob ich Treueherzen sammle. Ich dachte kurz nach, zückte die ec Karte und fragte, ob ich die statt online jetzt auch hier kaufen kann. Sie blickte mich durch die Brille streng aber irritiert an und reichte mir den Kugelschreiber. Schweigen ist Macht, sagte schon meine Oma. Auf dem Parkplatz aß ich die ersten Datteln der Saison. Ich kaute auf der Süße herum und sah mir beim zähen Denken zu. Ein Päuschen unter dem Autohimmel kann wie ein Tag auf einer einsamen Insel sein. Sich dehnende Zeit, keiner schaut und es tickt keine Uhr. Meines Wissens sammle ich eher untreue Herzen, das ist fast gratis und ein bisschen wie Arschbombe. Manchmal stürze ich, manchmal kann ich höher fliegen als alle anderen. Treueherzen kenne ich nicht. Wenn man die sammeln könnte, wäre das sicher verboten. Wäre aber mal ein paar Euro wert.

p1780582

Snow in Oberammergo

Da staunte die Blumentorte nicht schlecht, als sie heute plötzlich in Oberammergau den Überblick und den Durchblick verlor. Schneeblumentorte also. Pffft,  hat jemand „Klimaerwärmung“ gesagt?

20161106_15342120161106_15331620161106_15293320161106_153028

Herr Rilke: Du musst das Leben nicht verstehen

p1780684

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

 

 

 

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
(Rainer Maria Rilke, 8.1.1898, Berlin-Wilmersdorf)

p1780692

Botanischer Dialog

p1760654 p1760652Noch einmal weil`s halt so schön ist, sich vorzustellen, dass man in solchen Blättern gut gekleidet und behütet wäre, wie in einem soliden, weichen Herbstmantel, dabei immer elegant, pompös, apart. Nicht von der Stange eben. Und völlig bio.

 

 

 

 

p1760637

Dann am Seerosenteich sich wünschen, man könnt` ihn senkrecht an die Wand nageln, ohne dass er ausläuft. Würde einen grandiosen Spiegel abgeben.

 

 

 

 

p1760648 Später nochmal in den Biergarten, kurz vor Ende der Saison.

 

 

 

 

 

 

Noch die Quelle befragen, was der Winter bringen wird. Dazu ihr kühles Wasser mit der Hand schöpfen und spüren, wie das Wasser kalt die Kehle hinunterrinnt, frisch, klar, rein und köstlich, aber völlig ahnungslos. Die Antwort kennt nur der Wind, meint sie. Und der ist gerade nicht zu greifen.

p1760658

Zurechtgerüttelt (worden)

So, das Leben kam also mal wieder mit seinem eigenen Plan dazwischen. Nach 4 1/2 Jahren als Führungskraft wurde mir letzte Woche mitgeteilt, dass ich jetzt nur noch einen normale Mitarbeiterin sein werde. Nicht, dass ich etwas falsch gemacht hätte, oh, nein. Aber die Firma geht neue Wege, man wollte doch meine Gesundheit erhalten und mir Stress ersparen — blablabla und deshalb undsoweiter. Vor 10 Jahren hätte ich angefangen zu weinen, vor 20 stumm die Fäuste geballt. Heute jedoch sitze ich da und höre dem Mann zu, wie er zu mir spricht, sehe seine redliche Bemühung, mir seinen Plan behutsam schmackhaft zu machen, erinnere mich dunkel an die Intrigen der letzten Monate, an manches böse Lächeln auf den Fluren, denke an die, die die Strippen zogen, und habe Mitleid mit dem Mann, weil er auch noch die Nerven haben muss, sich bei mir zu bedanken für die gemeinsam bewältigten Krisen und gefeierten Erfolge, die langjährige Loyalität und Professionalität, ohne dabei überhaupt zu merken, wie er sich ganz plötzlich zum unglaubwürdigen Judas macht. Lachen war selbstredend verboten. Ebenso wie ein verständiges Klopfen auf die Schulter (oder auf die eigenen Schenkel!). All das nur, weil ich mich vor einem halben Jahr für 30 Stunden statt 35 entschlossen habe. Den Tagen mehr Leben. Der Familie mehr Zeit. Mir mehr Freude. Diesen Tag hatte ich kommen sehen. Wie die Omi, die in die Seniorenresidenz soll, und es längst weiß, wenn der Sohn auf einmal sauber gescheitelt und nass gekämmt mit Blumen vor der Türe steht und dann wie erwartet die Broschüre auspackt und sich müht, behutsam zu sein.

Dennoch ist man verstört. Was von meiner Mühe war vergebens? Was jetzt tun mit den erworbenen Fähigkeiten? … einfach ins Lebenskörbchen und weitermachen? Ist da Angst? Wie wird es sein als eine von so vielen? Als eine, die mal oben war und jetzt woanders ans Ruder muss? Wie umgehen mit der neuen Entlastung? Wie mit sich umgehen lassen? Wird es leichter oder schwerer? Wo soll Motivation herkommen? Wo soll die Reise hingehen? Arme auf und los, denke ich. Den Tagen mehr Leben. Der Familie mehr Zeit. Mir mehr Freude. Und plötzlich ist es leicht: ich habe eine Entscheidung getroffen. Diese hatte Konsequenzen. Ich übernehme die Verantwortung. Weil ich es kann.