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Karfreitag 2013: God is no DJ!

So, Karfreitag ist, und man blickt in tiefer Trauer und vom Fasten-Hunger gepeinigt zum Fenster raus, wo sich ausgerechnet heute mal nicht die graue Tristesse der letzten Monate zeigt, sondern Sonne, als gäbe es was zu beleuchten. Dazu Stille überall. Ich bin entschieden gegen so ein strahlendes Stille Programm, das widerstrebt mir in jeder Hinsicht. Da kann ich pampig werden!
Meine Erinnerungen an Karfreitage der Kindheit sind geprägt von der tiefen Überzeugung und Ehrfurcht, dass Gott wahrlich groß ist, da er es schaffte, all die vielen Karfreitage meteorologisch so auszustatten, als wäre sein Sohn tatsächlich wieder am Kreuz: es regnete immer und am Nachmittag gegen 15 Uhr gab es ein Gewitter mit Blitz und Donner. Dieser kleine Wettertrick des Allmächtigen hat einen erheblichen Anteil zu meinem Glauben geleistet… eine Statistik habe ich freilich nicht geführt. In meiner Erinnerung war dann aber an Ostern auch wirklich IMMER Sonne mit Frühling, denn an Eiersuche im Schnee erinnere ich mich nicht. Und: DAS wüsste ich ja wohl!
Dieses Jahr wird es wohl anders sein, wir rechnen mit Schnee an Ostern und können den Osterspaziergang schon mal locker vorziehen, heute Nachmittag ist im Park und auf den Wiesen sicher keiner unterwegs. Vermute sie alle bei Brotsuppe mit Stippe und Fischbeilage am häuslichen Tisch, die meisten werden die Steuererklärung machen und einige sicher die Bügelwäsche der letzten Wochen aufarbeiten. Besuchen sollte man laut Knigge keinen, um die Menschen nicht beim Meditieren zu stören – die fröhlichen „Na, Du alte Partysau, schon ausgeschlafen?“-Anrufe, die man sonst gerne mal an Feiertagen tätigt, kann man also vergessen. Ebenso die sonst an Feiertagen sehr beliebten Prosecco Parties mit Freundinnen bei schlagseitigen amerikanischen Fernseh-Serien, in welchen alle Frauen und alle Männer Sex haben, nur nicht miteinander, sondern nacheinander. Heute stricken alle am Hefezopf, das ist Gesetz. Und wer nicht Hefe knetet, malt Eier bunt an. Und es sind nicht die Eier des Mannes, der über seiner Steuererklärung sitzt, so viel ist sicher.
Es ist also Karfreitag und die Sonne scheint. Und es gäbe endlich mal Gelegenheit, den Garten zu bepflanzen, im Straßencafé Eis zu essen, beim Italiener ein paar harte Kräuterliköre zu stürzen, danach (oder davor!) eine Pizza mit dreifach Käse zu essen und ein unglaublich Bikini-Linie-Verzerrendes Tiramisu zu genießen. Man könnte auch mit lauter Musik und runtergelassenen Fenstern durch Innenstädte fahren und die Welt mit Mrs. Greenbird, Cool & The Gang beschallen, oder aber mit Vivaldi (das war der OHNE Requiem!) . Man könnte die erste Dachterrassenparty der Stadt starten, Lampions an Bäume hängen und schon mal Frühling feiern. Gott hat die falsche Beleuchtung und den falschen Soundtrack für heute ausgewählt. Oder er hat sich im Datum vertan. Und ich muss damit jetzt irgendwie klarkommen. Greife zur Matthäus Passion, lasse die Rolläden runter, mache mir eine kleine Kerze an, versenke mich in Leidenbetrachtung und frage Ihn leise: Ernsthaft jetze, war das etwa der Plan?!

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