Blumentorte

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Grabpflege

Camera

Kaffeehaus am Kölner Dom

Als sie nicht mehr seine Geliebte war, trafen sie sich am letzten Oktobertag zufällig in einem kleinen Café in der Altstadt. Sie saß lesend am Tisch mit einem Buch und blickte plötzlich auf in seine ruhig auf ihr liegenden Augen. Er setzte sich sachte zu ihr und sie plauderten leise umgeben von rotem Samt bei einem Tässchen Jasmintee über die alten Zeiten, über ihre gemeinsamen Jahre. Als er aufstand, fragte er sie, was sie morgen, am ersten November, so vorhabe. Auf den Friedhof zur Grabpflege, antwortete sie. Er erwiderte, dass er mit seiner Frau in ein Wellnesshotel fahren wolle. „Also das Gleiche“ lächelte sie und wickelte sich fester in ihre Stola. Kurz nickte ihm noch zu, dann schlug sie blind die Seiten wieder auf.

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16 Kommentare

  1. Mit wenigen Worten sehr ausdrucksstark!

  2. Hehee… böse… gut… 🙂
    Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag.

    • Danke für Deinen Besuch! Und natürlich für Dein Verständnis 😉

  3. …fein sachte…

    …und dann… Peng, der verbale Schlag mitten ins Gesicht!!

    Gut geschrieben…
    Liebe Herbstsonnengrüße vom Lu

    • Ja, so mancher braucht für eine kleine Rachefantasie Jahre der Geduld….. aber dann ist sie umso köstlicher. Danke für Deine Zeilen!

      • Stimmt vollkommen, sie ist dann nicht so spontan eruptiv daneben lächerlich…
        Sondern klasse mit Stil vorgeführt 🙂

        Sehr gerne!

  4. Sehr gut, ließe sich zu einer veritablen short story ausbauen.

    • Ach, ich dachte, das ist eine Short Story. Very short, zugegebenermaßen. Aber eigentlich schon fix und fertig. Deine Anerkennung freut mich!

      • Kein Wort wegnehmen und keines hinzufügen – es ist perfekt!

      • Vielen Dank, große Ehre!

      • Danke, danke, danke!

      • Ja, in gewisser Weise bräuchte man nur noch einen Satz, weil die Geschichte ja nicht zu Ende ist. Der Knacks wirkt ja irgendwie.

      • Ja, wie wirkt denn nun der Knacks? …. ich fand der Knacks hat gemacht, dass die Story von hinten durch die Brust ins Auge aus dem Knick kommt…. Bitte sag`s: wir wirkt der Knacks auf Dich?

      • Auf mich wie eine schöne Pointe. Ich selbst empfinde das Grab an anderen Orten in meinem Leben, deswegen hat es mich wenig selbst angeknackst. Doch es interessiert mich, wie der Protagonist mit diesem Satz seiner Ex umgeht.

  5. Danke für Deine offene Antwort. Wie geht man mit so einem Satz um, den einem die ehemalige Geliebte im süßen Wahn des Wiedersehens verpasst? …. wie ein Romantiker, wie ein Träumer, wie ein Held? Geht man raus und wirft sich jäh bäuchlings auf nasses Kopfsteinpflaster? Reißt man Blumen aus den Gärten der Kleinstadt und brüllt auf dem Heimweg wie ein Tier vor Verzweiflung? Oder geht man heim, stellt die Schuhe neben die Tür und sagt „bin wieder da, Schatz“? Ich kann es Dir nicht sagen, lieber Phelotom.

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