Blumentorte

Just another WordPress.com site

Boxer

Der Tag war sonnig und vor allem hatte ich mir Zeit geschenkt. Ein neues Spiel: Alles gaaanz langsam machen. Fast idiotisch zäh und träge. Langsamer als alles um mich herum. Ich bin die Bremse. Dann innehalten und horchen, nach innen und außen. Warten, ob dadurch Katastrophen entstehen. Tun sie nicht. Aufatmen. Den Mitbewohner von der Schule abholen, ihm eine Leberkässemmel kaufen, immer Hunger die jungen Menschen, ihm zusehen, wie er sie auf einer Bank im Schatten isst, direkt vor dem Hofladen. Zeit haben dabei. Ihm zuhören. Dabei nicht abschweifen. Dann am Frisör vorbei schlendern, sollen wir….? willst Du? Zeit haben für solche Ideen. Reingehen, mit dem Orientalen scherzen, der nichts zu tun hat im leeren, glamourösen Salon. Zusehen, wie er bei dem Bub vorne den Rasierer ansetzt, direkt an der Stirn, mittig und nach hinten durchzieht. 9 Millimeter. Wie Demi Moore in „GI Jane“. Zeit im leeren Salon haben, das auszuhalten. An den Film zu denken, während draußen die Sonne auf`s Pflaster brennt. Zusehen wie der Bub zum Mann wird in 180 Sekunden. Eine Träne wegwischen und lächeln dabei. Kopf ohne Haar. Verletzlich und cool zugleich. Zeit haben, den Impuls zu unterdrücken, dass ich das auch will. Aber nicht  heute. Dann gemeinsam nach Hause schlendern. Er größer als ich. Ganz langsam.

Advertisements

17 Kommentare

  1. vom jungen zum mann in 180 sekunden … das hatte schon traurigere gründe … 😉

    einfach weiter so … ganz langsam …

    • Es war leicht, klar. Es war auch nur meine Perspektive. Als hätte jemand plötzlich eine Brille gewechselt. …. Ja, und Langsamkeit will täglich geübt sein….

      • wenn man(n) immer auf der überholspur gelebt hat … dauert der lernprozess ewig … das kann ich bestätigen …

      • Ich erinnere mich noch vage an die Zeit als ich als eine der langsamsten Truden der nördlichen Hemisphäre galt. Elternworte. Etwas in mir erinnert sich und findet den Rhythmus manchmal wieder. Ist cool

  2. Lo

    Ja, nach so einem radikalen „Schnitt“ ist das „Weiche“ verloren.

    • liebe Lo, das Weiche war plötzlich stärker da denn je. Plötzlich war da Beides. Das Harte und die Verletzlichkeit.

      • Lo

        Das Bild kenne ich: rappelkurz, um „cool“ zu wirken, und das „Kind“ dahinter ist noch mehr sichtbar.

        Pssst.: Die liebe Lo ist ein Der
        😉

      • Ups. Danke für den Hinweis, ich gelobe dem Lo Besserung. Und ansonsten: JA!

      • Lo

        Hihi 🙂

  3. Lo

    Ja, nach so einem radikalen „Schnitt“ ist das „Weiche“ verloren.

  4. Ach, wie schön du schreibst, zum Nachfühlen gut.

    • So verbinden wir uns – im Teilen des Menschlichen. Lieben Dank an Dich!

  5. Von der Entdeckung der Langsamkeit bis zur Meisterschaft in dieser Disziplin kann ein langer Weg sein…
    Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

    • Ich mag das tägliche Üben gerade ganz gern. Bin zu lange gehetzt (worden). Langsame Grüße zurück!

      • Sehr gut,

        übe auch fast täglich, die Achtsamkeit und auch die Langsamkeit sind mir zu guten Freunden geworden…

        Genau, gehetzt wurde ich von der Gesellschaft und den anderen Menschen lange genug!

        Liebe Frühlingsgrüße vom Lu

  6. Manchmal braucht es nur 180 Sekunden……
    …und alles wird anders

    • Ja, das kann was Schönes oder etwas Böses sein. Wir sind offenbar stets nur einen Wimpernschlag vom Schicksal entfernt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: